Schulzeit mit Corona und Risikokind

Werbung, dieser Text enthält eine Verlinkung zu einem anderen Blog – Herzensempfehlung

Moin Ihr Lieben,

nun sind wir seit mehr als 6 Wochen in der Coronablase gefangen. Seit Montag gibt es minimale Lockerungen für die Gesellschaft, dennoch bleiben Kitas geschlossen und Schulen öffnen die Türen für Abschlussjahrgänge.

Keine Schule, kein Lernen, keinen neuen Input und auch keine Freunde treffen. Schule ist eben doch viel mehr, als nur ein Platz zum Lernen. Der Austausch für die Jugendlichen, das Motzen über die Eltern in einem „geschützten“ Raum, das Buhlen um die Coolness, all das fehlt gerade.

Den Schulstoff nachholen ist möglich. Lehrpläne anpassen auch kein Problem. Online Lernen ist jetzt aktuell. Unsere Schule hat das große Glück digitalisiert zu sein. Jeder Schüler hat seinen eigenen Account auf einem Schulserver und ist somit komplett mit der Lehrerschaft und der eigenen Klasse vernetzt. Ab heute gibt es über das Programm Aufgaben von den Klassenlehrern.

Aufgaben, die Zuhause gelöst werden sollen und dann zur Korrektur zurück geschickt werden. Doch was machen die Kinder, die Zuhause sind mit ihren kleinen Geschwistern, auf die sie eventuell noch aufpassen müssen? Was machen die Kleinen, die so viel Ablenkung um sich herum haben und das Lernen sehr viel schwerer fällt? Was ist mit den Kind, wo es finanziell gar nicht möglich ist einen Computer zur Verfügung zu haben?

Sobald die Schule wieder geöffnet wird, was ja schrittweise geplant ist, werden die Klassen gestaffelt zum Präsenzunterricht in der Schule sein. Die Klassen werden geteilt und ein Teil kommt in die Schule und der andere Teil ist Zuhause. Ein guter Kompromiss? Ich weiß ja nicht so recht.

Laut dem Erlass des Kultusministerium Niedersachsen, können die Kinder die zur Risikogruppe gehören, oder eine Person im Haushalt haben, die zur Risikogruppe gehört in die Schule kommen oder mit einem Attest vom Arzt freigestellt werden. Doch wie lange? Bis auf unbestimmte Zeit? Viele Kinder freuen sich im ersten Augenblick darüber nicht in die Schule zu müssen, aber letzten Endes werden sie als Außenseiter behandelt. Die Krankheit von ihnen, die sonst vielleicht nicht im Vordergrund steht, rückt in den Vordergrund – zwangsweise. Die Kinder sind weiter in Isolation. Weiterhin nicht bei ihren Freunden, weiterhin ohne Austausch.

Für kein Kind ist es toll, zuhause zu sein. 24/7 mit den Eltern und Geschwistern, wenn alle anderen doch raus dürfen und sich treffen dürfen und sei es eben nur im Schulgebäude. In dieser Situation kann man nur inständig hoffen, dass die Kinder verstehen um was es geht und das es ihr eigener Schutz ist. Der besprochene Schulstoff, die Fragen die während des Unterrichtes gestellt und beantwortet werden, auch dass wird den Kindern die Zuhause bleiben fehlen. Und alles nur weil sie krank sind und auf sich aufpassen müssen.

Auch bei uns wurde eine Freistellung vom Präsenzunterricht ärztlich angeordnet. Diabetes gehört nun einmal mit zur Risikogruppe und natürlich wollen wir da kein Risiko eingehen. Ich habe das Glück momentan nicht Arbeiten zu müssen und mein Kind in dieser Zeit zu unterstützen. Viele andere haben dieses Glück nicht.

Mir stellt sich die Frage, ob es nicht tatsächlich wichtigeres gibt, als Schule? Ist es so wichtig JETZT den Kindern neuen Stoff beizubringen? Ich denke, dass die Kinder auch Zuhause viele Möglichkeiten haben Dinge zu lernen. Bücher lesen können (fast) alle. Vokabeln lernen ist auch möglich und abgesehen von den ganzen Lernplattformen gibt es zig Möglichkeiten den bislang gelernten Stoff zu verinnerlichen.

Wir sind gespannt wie die Schulsituation weitergeht. Ich bin an der Schule vom großen Elternvertreterin und 1. Vorsitzende vom Schulelternrat und ich sehe wie bemüht die Schule ist und wie sehr sich die Lehrer engagieren. Es ist eine Mammutaufgabe, für Lehrer, für Kinder und für die Eltern. Vielleicht sollte die Regierung etwas von den Richtlinien und überhaupt vom System abweichen?! Vielleicht wird es dann für alle betroffene etwas leichter?!

Zu diesem Thema könnt Ihr bei der lieben Saskia von liniert-kariert.de einiges Lesen. Sie ist Grundschullehrerin in Hannover und ich wünschte mir, dass  jede Lehrkraft auch nur ansatzweise die Schulwelt mit den Augen sieht wie Saskia. In ihren Stories auf Instagram erzählt sie viel darüber wie Schule auf Augenhöhe funktionieren kann und wie Lehrersein heute eine Berufung werden kann, statt ein einfacher Job.

Mit dieser Herzensempfehlung verabschiede ich mich und wünsche Euch alles Liebe.

Eure Tanja

Wir ziehen um!

Moin Ihr Lieben,

ja der Titel des Beitrags sagt schon alles. Wir ziehen um und das schon in knapp 3 Monaten.

Wie Ihr ja wisst, ist Dan für die nächsten 3 Jahre noch in Köln stationiert. Der Große geht hier zur Schule und ich hab vor der Schwangerschaft gerade meinen neuen Job angefangen. Somit war die Entscheidung wo wir hinziehen sofort klar. Wir bleiben im Norden, um genau zu sein ziehen wir „nur“ ins Nachbar-Dorf.

Zur Zeit leben wir in einer traumhaften 3 Zimmer-Wohnung, auf 102 qm2 über zwei Ebene. Mit eigenem Garten und Doppelcarport. Ganz für uns alleine. Gut, unter uns ist ein Blumenladen, aber davon haben wir nie viel mitbekommen.

Ich bin damals mit dem Großen hier hergezogen, weil wir aus unserer Wohnung (aus meiner ersten Wohnung) raus mussten, wegen unserer Paula. Damals wollte ich mich vergrößern, weil ich in der Hoffnung war, dass mein (Ex)Freund mit einzieht. Gott sei Dank war ich jedoch so schlau, dass ich nach einer größeren Wohnung gesucht habe, die ich auch alleine finanzieren konnte. Mein (Ex)Freund ist nämlich nie mit eingezogen.

Diese Wohnung hier hat für mich ganz großen emotionalen Wert. Hier war Leons Zuhause. Hier hat er seine Kindheit verbracht. Wir haben die tollsten Kindergeburtstage gefeiert, seine Einschulung, seine Konfirmation und natürlich die schönsten Weihnachtsfeste.

Im Garten wurde Fußball gespielt, Blumen gepflanzt, das Gemüse aus dem Hochbeet geerntet, Schneemänner gebaut, in Laubhaufen gespielt und in der Hängematte gelegen. Wir haben Grillpartys mit Freunden gefeiert, stundenlang an der Feuerschale gesessen und Stockbrot gegessen.

Es war meine zweite Wohnung, aber meine erste die ich nach unseren Wünschen gestalten konnte. Es war das erste richtige Zuhause für mich nach dem Umzug aus Hude. Ich bin hier angekommen, habe so viele Freundschaften geschlossen und so eine tolle Nachbarschaft erleben dürfen. Mein Bruder wohnte jahrelang neben mir. Es ist und war eine ganz besondere Zeit für mich hier leben zu dürfen.

Aber wie das Leben so ist, man entwickelt sich weiter. Die Familie wächst und die Umstände lassen manche Dinge einfach nicht mehr so gewohnt zu. Ich habe immer mal wieder auf den üblichen Immobilienseiten im Internet nach Häusern und Wohnungen geschaut. Gar nicht so einfach etwas passendes, preiswertes für eine vier köpfige Familie mit Hund zu finden.

Wir wohnen im Hamburger Umland, sind auf ein öffentliches Verkehrsnetz angewiesen und auf die Nähe zur Autobahn. Wir lieben unsere Umgebung, das dörfliche und die Weite, sowie die kurzen Wege. Und genau das macht es nicht günstiger. 4-Zimmer Wohnungen gibt es hier selten. Oft nur Doppel- oder Reihenhäuser zu kaufen oder zu mieten.

In unserem Dorf wird gerade ein Neubaugebiet hochgezogen. Super!, dachten wir zumindest, bis wir gehört haben, dass junge Familien dort nicht erwünscht sind. Warum? Weil die Gemeinde keine Kapazitäten mehr für die Kinderbetreuung, sprich Kitas und Krippen hat. Es ist auch völlig egal, ob man schon in der Gemeinde wohnt oder nicht. Also weiter suchen…

Auf meiner „Suche“ was momentan so angeboten wird, entdeckte ich dann eine sehr interessante Anzeige. Obwohl uns jetzt nichts raustreibt oder wir unbedingt ausziehen müssten, zeigte ich die Anzeige Dan. Ein Reihenhaus, Neubau, Fertigstellung Juni/Juli 2020. Wir rechneten kurz unser Finanzen und wägten Pro und Kontra ab.

Kurzer Hand habe ich eine Mail an die Anbieter geschickt und innerhalb einer halben Stunde einen Besichtigungstermin ausgemacht. Anfang März hatten wir uns das Haus angeschaut, haben die Vermieter kennengelernt und innerhalb 24 Stunden den Mietvertrag bekommen, unterschrieben und zurück gegeben. Verrückt wie das Leben manchmal spielt.

Dann sollte es so sein. Wir freuen uns riesig über mehr Platz, mehr Wohnkomfort, neue Nachbarn und einfach einen neuen Meilenstein – gemeinsam als Familie.

Ach so und bevor gefragt wird, das Haus ist gemietet, aus dem Grund, weil wir einfach noch nicht wissen wo es uns vielleicht doch noch dank der Bundeswehr hin verschlägt.

Jetzt seid Ihr dran… erzählt doch mal wie Ihr wohnt?

Bis bald,

Eure Tanja

Alles auf Eis gelegt – Selbstisolation

Moin Ihr Lieben,

wir sind in der „Selbstisolation“. Alle Termine, sei es Babyschwimmen, DELFI, Playdates selbst mein Mädelswochenend-Roadtrip wurden abgesagt. Seit Montag sind wir nur noch Zuhause. Und ich sag Euch, ich bin so froh, dass wir einen Garten haben.

Ferienmodus ist angesagt. Der Große darf nicht in die Schule, kann auch nichts für die Schule machen, denn er war im Praktikum und die gesamten Schulmaterialen sind in der Schule. Nun gut… Französisch Vokabeln können noch gelernt werden, weil ich die Bücher für Zuhause extra gekauft habe.

Warten, in Geduld üben und den Tag nicht zu lang werden lassen, ist für uns jetzt das was wir tun können. Die Dinge positiv sehen. Wir sind gesund und das ist gerade die Hauptsache. Viele von meinen Bloggerkollegen haben Listen angefertigt um die Kinder zu beschäftigen. Da sind viele tolle Ideen bei. Ich habe den Vorteil, dass der Große die Situation versteht und der Mini es noch gar nicht verstehen kann. Somit ändert sich für uns nicht viel. Eltern, die im Home Office sind oder arbeiten müssen und nicht wissen wohin mit den Kindern tun mir echt leid.

Trotzdem fallen Dinge aus, die wir lange geplant haben und auf die wir uns sehr gefreut haben. Unter anderem die Taufe von unserem Mini. Wer weiß wann diese statt finden kann. Der Schüleraustausch vom Großen im Mai steht auch noch auf der Kippe. Ich wollte im März/April nach Berlin meine Freundin besuchen und im Mai stand die Blogfamilia an. Alles nicht machbar momentan.

Natürlich stellt sich jeder die Frage, wie lange dieser Zustand andauern wird. Wie lange bleiben die Schulen und Kitas geschlossen? Wann machen die Geschäfte wieder auf? Fragen über Fragen und keiner hat eine Antwort da drauf. Abwarten und nichts tun, außer Zuhause bleiben.

Wir halten uns dran, denn wir möchten andere nicht anstecken, die gefährdet sind und ganz davon abgesehen wollen wir uns ja auch nicht anstecken. Dan darf nächste Woche nach Hause kommen. Zum Glück! Er hat zwar Rufbereitschaft, aber es ist für mich beruhigend, zu wissen dass  er daheim ist.

Es gibt Gott sei Dank so viele Möglichkeiten mit den Liebsten in Kontakt zu treten. Seit Tagen telefonieren wir über FaceTime, schicken unzählige Sprachnachrichten und WhatsApp Nachrichten hin und her. Ich verschicke Päckchen an Freunde mit Schokolade als Nervennahrung oder Fotos via WhatsApp an die Großeltern. Es lebe das Smartphone.

Was wir noch so machen in unserer „Selbstisolation“? 

Ich hatte Zeit um die ganzen zu klein gewordenen Sachen vom Mini bei Mamikreisel einzustellen. Geplant war die Taufdeko fertig zu basteln. Aufräumen und entrümpeln. Den Garten fertig machen für den Frühling. Mein eigenes Rezeptbuch fertig machen. Ein Buch lesen, sofern der Mini schläft. Auf uns aufpassen und schauen das alle gesund bleiben. Einen Fotokurs machen – online natürlich und für Euch noch einiges bloggen, die Liste ist ellenlang. Also seid gespannt was noch so von uns kommt.

Der Große macht das was er kann für die Schule und spielt online mit seinen Freunden.

Der Mini wächst und macht immer mehr Entwicklungssprünge und spielt den Tag über.

Und so vergeht Tag für Tag bei uns. Bis lang haben wir keinen Lagerkoller, obwohl dass Wetter auch nicht so mitspielt und es kalt und grau ist. Mal sehen wann der Koller kommt.

Aber erzählt Ihr doch mal, was Ihr so macht Zuhause und was die Selbstisolation mit Euch macht! Vielleicht müsst Ihr zur Arbeit oder seid mit den Kindern im Home Office? Ich freue mich Eure Geschichten zu lesen.

#flattenthecurve #stayathome

Bis bald

Eure Tanja

 

Corona Virus – wir fügen uns

Moin Ihr Lieben,

es ist in aller Munde das Corona Virus. Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben. Die Nachrichtendienste sind voll damit. Instagram von oben bis und unten und auch im Radio hört man nichts anderes mehr.

Dennoch schreibe ich darüber. Aber nicht wie schlimm es ist oder das ich Euch drauf aufmerksam mache, dass Ihr Eure Hände waschen müsst/solltet. Nein, ich möchte Euch erzählen wie wir es erleben, mit Baby und einem Kind was zur Risikogruppe gehört.

Ich mache mir wenig Sorgen um meinen Mann oder um mich. Auch bei unserem Mini habe ich wenig bedenken. Was nicht heißt, dass ich mir keine Sorgen mache. Doch die größte Angst habe ich davor, dass es meinen Großen trifft.

Zwar weiß ich, dass ein Mensch mit einem gut eingestellten Diabetes ohne Begleiterkrankungen wie z.B. ein zu hoher Blutdruck, das Corona Virus gut überstehen kann. Es ist dennoch ein komisches Gefühl, wenn es dein eigenes Kind ist.

In meiner Krankenhauszeit und vor seiner Diagnose habe ich mir nie Gedanken gemacht. Es war irgendwie für mich immer Alltag mit infektiösen Patienten in Kontakt zu stehen. Inzwischen sehe ich es anders. Ich werde umsichtiger. Achte darauf, dass jeder von uns wirklich richtig, lange und gründlich die Hände wäscht. Und natürlich – haben auch wir alles bis auf weiteres abgesagt und halten Abstand von sozialen Kontakten.

Wir fügen uns. Wir meiden große Menschenansammlungen und auch das Hände schütteln oder die Umarmung zur Begrüßung. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich wirklich heil froh darüber war, als es hieß die Schulen werden geschlossen. Die Sorge das der Große sich ansteckt war irgendwie sehr präsent. Auch wenn er dadurch sein Praktikum vorzeitig beenden musste.

Leon ist ein fitter, gesunder und immunaktiver Junge, mit einer einzigen Einschränkung. Zur Zeit befindet er sich in seiner Remissionsphase, d.h. seine Bauchspeicheldrüse produziert zur Zeit eigenständig wieder etwas Insulin mit. Das Wiederum heißt, dass seine Autoimmunität fast gleichgestellt ist, wie bei einem Menschen der kein Diabetes hat.

Ich beobachte meine Kinder in dieser Zeit noch mehr. Zeigen sie ein Unwohlsein werde ich hellhörig. Zeitgleich versuche ich mir zu merken mit wem wir wann in Kontakt waren. Wäre ich alleine oder wäre dieses Virus vor zwei Jahren ausgebrochen, würde ich es vermutlich ein wenig belächeln. Denn sind wir mal ehrlich, ist es nicht die erste Pandemie, die wir erleben.

Es ändert sich alles schlagartig sobald dein Kind in Gefahr ist. Als Mutter hat man sowieso Superkräfte. In solchen Situationen bekommt man als Mutter noch einige Fähigkeiten dazu, ob man will oder nicht.

Wir werden also die kommende Zeit nutzen, um Vokabeln zu lernen, mit Freunden per FaceTime zu telefonieren, das Netflix-Abo glühen zu lassen und noch so einige Dinge mehr zu machen die uns und andere nicht gefährden. Wer weiß wann bei uns der Lock Down eintreten wird.

Bleibt alle gesund und passt auf Euch auf.

Eure Tanja

 

Unser Leben mit Diabetes

Moin Ihr Lieben,

für diesen Beitrag brauchte ich eine Menge Zeit. Zeit um das vorher gegangene zu verstehen und zu verarbeiten. Von einem auf dem anderen Tag hat sich unser Familienleben verändert und ganz besonders das Leben meines Sohnes.

Ende 2019 bin ich mit meinem Sohn zum Kinderarzt gegangen um ihn einfach mal durch checken zu lassen. Gerade die Schilddrüse spielt ja gerne mal in der Pubertät verrückt. Mir gefiel einfach nicht, dass er so müde und erschöpft war. Sein Gewicht war unterirdisch bei seiner Körpergröße und irgendwie gefiel er mir einfach nicht.

Es wurde ein Blutbild gemacht um die Schilddrüsenwerte zu kontrollieren und um eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) auszuschließen. Parallel hatten wir eine Verordnung zur Ernährungsberatung bekommen. 14 Tage später hatten wir einen Kontrolltermin. Und ich sag Euch die 14 Tage waren schwer. Unfassbar schwer.

Die erste Woche war noch total unauffällig. In der zweiten Woche der 14 Tage hatte ich noch Geburtstag und merkte von Tag zu Tag mehr wie mein Kind abbaute. Treppen laufen ging nur noch mit Pause. Innerhalb kurzer Zeit und ich meine damit 5 Tagen, hat er über 5kg abgenommen. Blass, tiefe dunkle Augenringe und ein ständiges Durstgefühl waren seine Begleiter. Am Kontrolltermin habe ich direkt auf einen Diabetes Ausschluss gedrängt. Statt eines Ausschlusses wurde es eine Bestätigung.

Blutzuckerwert von 494

Ein normaler Blutzuckerwert liegt zwischen 100 und 140. Ab 250 fängt eine Ketoazidose an – ein akuter Insulinmangel im Körper. Dazu gibt es aber noch einmal extra ein paar Infos.

Mir war klar was das bedeutete und dennoch rauschte alles an mir vorbei. Schnell nach Hause, Sachen gepackt und los ging es mit wehenden Fahnen in die Kinderklinik. Zuhause bin ich Dan, der gerade Elternzeit hatte, in die Arme gefallen und habe einfach nur geweint. Ich wollte es meinem Kind ersparen. Ich hätte es ihm so gern abgenommen.

In der Klinik angekommen, wurden noch einige Tests gemacht und zwei Zugänge gelegt. Auf Station gab es dann endlich was zu Essen und zu Trinken für den Großen und er wurde an einen Insulintropf angehängt.

Er war und ist die ganze Zeit mega tapfer gewesen. Es war für ihn auch überhaupt kein Problem den Diabetes anzunehmen. Dank der besten Kinderdiabetologin, die dieses Krankenhaus zu bieten hat und dem tollsten Krankenschwestern, war auch die Zeit im Krankenhaus eine angenehme Zeit.

14 Tage sollte also der Aufenthalt dauern. Es folgten Schulungen, Gespräche, Übungen um alles in den Alltag zu integrieren. Messen, wiegen, umrechnen und Insulin spritzen stand ab sofort auf der Tagesordnung.

Mich quälten die Vorwürfe. Vorwürfe, es nicht eher gesehen zu haben. Vorwürfe auf den Kontrolltermin gewartet zu haben. Vorwürfe mein Kind nicht davor zu bewahren. Die Oberärztin sagte mir eindringlich, dass keiner Schuld daran hat. Es hätte auch keine Konsequenzen gehabt, wenn wir 2 oder 3 Tage eher zum Arzt gegangen wären. Es beruhigte mich temporär, aber um ehrlich zu sein quält es mich bis heute.

Zeitgleich bin ich einfach nur dankbar, dass dem Großen nichts passiert ist, da er zwei Monate vorher in Frankreich zum Schüleraustausch war. Nicht auszudenken was alles hätte passieren könne.

Wie sich unser Klinikalltag gestaltete und was das mit uns als Familie gemacht hat, schreibe ich Euch die nächsten Tage.

Bis bald

Eure Tanja

Find yourself… Wir rocken 2020

Moin Ihr Lieben,

so oft habe ich jetzt schon angefangen einen Beitrag zu schreiben. Nach dem ersten Satz oder doch nach der Hälfte habe ich abgebrochen. Es war irgendwie noch nicht das richtige womit ich dieses Jahr starten wollte. Ich bin mir auch noch nicht sicher ob es jetzt der richtige Beitrag ist. Ich habe viel zum Nachholen, Aufarbeiten und Verarbeiten vom letzten Jahr. 2019 Hatte es echt in sich. Nicht nur die Schwangerschaft, die Geburt und in den Alltag mit Baby finden – allein. Nein, kurz vor Weihnachten erreichte uns dann eine Diagnose die uns erst einmal aus der Bahn warf.

Ich musste mich erden, mich selber finden oder besser gesagt mich ins Leben zurück finden und zwar so, dass ich damit klar komme und die Dinge tue, die ich liebe, mit den Menschen die ich liebe.

2019 ist ein Jahr, welches wir nicht so einfach und schnell vergessen werden. Ein Jahr voller toller, schöner und unvergesslichen Momente. Ich will mich weiter entwickeln und deshalb rotiere ich gerade sehr um die eigene Achse. Meine To-Do-Liste ist ellenlang und doch verliere ich nicht den Mut, dass ich es schaffe sie kleiner werden zu lassen. Allerdings immer so, das ich den Fokus nicht verliere. Denn genau das hat mich die letzten Monate und überhaupt das letzte Jahr in diesen Bann gezogen. Schlafmangel und ein dünnes Nervenkostüm trugen ihren Teil dazu bei. Ich hatte einige Blockaden, die dafür sorgten das es still blieb. Es sprudelte nicht wie sonst aus mir heraus.

Aber gut es kann ja nur besser werden. Ich bin dankbar für all die Momente und Situationen in denen ich gewachsen bin. In denen ich gemerkt habe, auf was es ankommt und was wirklich wichtig ist. Ich will mich nicht mehr unter Druck setzen lassen, somit kommt inzwischen auch öfter ein Nein als ein Ja. Ich freue mich über jede Chance die ich bekomme und versuche diese auch zu nutzen, aber eben nur die, die zu mir passen.

Ich habe mich selber wieder gefunden und das brauchte Zeit. Nun bin ich wieder voller Motivation und Stärke um wieder genau das zu machen was ich gerne mache – nämlich mich mit  Euch auszutauschen und Euch mit in meine kleine Welt zu nehmen. Ich danke jedem einzelnen von Euch der hier geblieben oder neu dazu gekommen ist. Danke, dass Ihr da seid!

Lasst uns 2020 gemeinsam rocken! Ich freu mich drauf!

1 von 5 – 1 Jahr Fernbeziehung

Moin Ihr Lieben,

es ist geschafft… das erste Jahr unserer Fernbeziehung ist geschafft. Folgen somit nur noch 4. Das Jahr ging so wahnsinnig schnell rum das wir guter Dinge sind, dass die nächsten 4 auch so  verfliegen, zumindest was die Wochenend-Beziehung angeht.

Was hat das Jahr mit uns als Paar/Familie gemacht?

Es gab keinen Tag wo wir nicht kommuniziert haben. Meistens tatsächlich über Whats-App, aber auch nur, weil es einfach schneller geht. Unsere gemeinsame Zeit ist das Wochenende und der Urlaub. Dennoch hat jeder von uns beiden seinen Freiraum. Dan geht zum Sport und ich treff‘ mich mit meinen Freunden. Auch wenn wir die Wochenenden ohne den anderen unterwegs sind ist es für uns wichtig, dass wir entweder Freitag oder Sonntag noch genügend Zeit zusammen haben.

Wir vertrauen einander blind und können uns auf den anderen verlassen. Sicherlich gibt es auch die eine oder andere Situation in der man sich wünscht das der Partner an der eigenen Seite ist. Wir wussten es von anfang an und somit konnten wir uns darauf vorbereiten.

Wir haben uns nicht auseinander gelebt oder lieben uns weniger. Dafür gibt es ja auch keinen Grund.

Quality-Time für Leon wird hier groß geschrieben. Uns ist es wichtig, dass Leon auch alleine Zeit mit Dan verbringen kann, egal ob am Wochenende gezogt wird oder ein ganzes Wochenende DVD geguckt wird.

Was hat die Fernbeziehung von uns gefordert?

Dan fährt jedes Wochenende 800km nur um zu seiner Familie zu kommen. Das ist nicht unbedingt das was man unter dem normalem Pendeln versteht. Jeden Freitag und jeden Sonntag ist er gute 4 Stunden unterwegs. Es kostet Zeit und Energie.

Er musste seinen Sport reduzieren und kann nicht mehr an so vielen Events teilnehmen.

Für mich hat die neue Situation meinen Job „gekostet“. Am Wochenende in der Klinik zu hocken und Nachtdienste zu schieben, passte einfach nicht mehr in unser Familienmodell und somit musste ein neuer Job her.

Ich bin für vieles jetzt wieder allein verantwortlich, muss organisieren und planen – ein Vorteil wenn das Kind so groß ist. Auch die Schwangerschaft ist jetzt zum größten Teil meine Sache, weil er einfach nicht da sein kann.

In manchen Momenten gibt es auch mal Gewissenskonflikte weil der andere einfach gerade nicht da ist. Bei Dan mehr als bei mir.

Natürlich ist auch das Liebesleben eingeschränkt. Logischerweise wenn man nur 3 Tage zur Verfügung hat. Was für uns das erste halbe Jahr wirklich schwer war mit unserem Kinderwunsch.

Gibt es Vorteile an der Fernbeziehung?

Für mich definitv =) Ich war vor Dan jahrelang mit Leon alleine und habe für uns einen Rhytmus erarbeitet mit dem wir am besten zu recht kommen. Dieser Rhytmus änderte sich als Dan zu uns kam. Inzwischen haben wir unseren „alten“ Rhytmus wieder und ich würde behaupten das er wirklich entspannt ist.

Wenn man soweit von einander entfernt ist, kann man sich einfach nicht so leicht auf den Sack gehen.

Man lernt die wenige Zeit die man mit einander verbringt einfach ganz anders zu schätzen und zu lieben. Man ist Dankbar für das was man zusammen erlebt.

Ich kann wieder zeitiger ins Bett gehen… hört sich jetzt zwar egoistisch an aber es ist so. Ich brauche einfach meinen Schlaf und davon so viel wie möglich. Es wird noch witzg werden, wenn das Baby da ist.

Wir haben neue nette und liebenswerte Menschen kennenlernen dürfen.

Was war schlimm oder traurig in dem Jahr?

Die schlimmste Situation war als Leon letztes Jahr seine Blinddarm-OP hatte und Dan nicht da sein konnte. Und das war in der 3. Woche, also noch ganz am Anfang des Jahres.

Ich fand es schade, dass ich ihm übers Telefon sagen musste, dass der Schwangerschaftstest positiv war.

Als ich nachts mit unserer Paula zum Tierarzt musste und eine Not-OP im Raum stand.

Rituale die Helfen…

Jeden Sonntag wenn Dan ins Auto steigt und los fährt winken wir ihm bis er nicht mehr zu sehen ist.

Jeden Sonntag klatschen Leon und ich ab und sagen „Team Leon und Tanja sind am Start“.

Montag ist der neue Putztag bei uns. Da in der Woche keiner da ist der es unordentlich macht. =)

Wir legen ganz viel Wert auf eine vernünftige und liebevolle Verabschiedung und das Dan Bescheid sagt, wenn er angekommen ist.

Für uns ist es auch wichtig, dass wir uns Absprechen. Wenn Dan kein frei bekommt, Leon aber kurze Ferien wie zu den Zeugnissen hat, fahren wir einfach zu ihm um etwas „Alltag“ zu haben und zusammen sein können.

Wir sind sehr gespannt wie sich das nächste Jahr gestalten lässt mit Teenie und Baby und Hund. Vermutlich wird es nicht einfach und mit Sicherheit auch verdammt anstrengend. Wir haben uns aber für diesen Weg entschieden und schauen einfach wie es funktioniert. Neue Pläne kann man immer machen, nur müssen sie halt gut geplant sein. Momentan gibt es für uns einfach keine andere Alternative. Ich habe zur Unterstützung meine Familie und Freunde vor Ort. Leon hat seine Freunde hier und macht in zwei Jahren seinen Abschluss. Wir haben eine schöne bezahlbare Wohnung mit Garten, auch wenn ein Zimmer fehlt, aber mich stört es nicht mit dem Baby in eine Zimmer zu sein – im Gegenteil ich bin ja auch ein großer Freund was das Familienbett angeht. Ich denke, dass es für Dan eine schwierige Zeit sein wird, da er einfach nicht am direkten Geschehen teilnehmen kann.

Liebe und Familie kennen keine Distanz oder Kilometer.

Wer von Euch führt denn auch eine Fernbeziehung und wie geht Ihr damit um? Lasst mir Eure Geschichten da.

Eure Tanja

Mit negativen Gedanken auf Reisen

Moin Ihr Lieben,

ich habe meine erste Dienstreise hinter mich gebracht und bin (Gott sei Dank) wieder Zuhause. Jetzt ist meinen Welt auch wieder in Ordnung. Warum das erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Ich habe ja meinen Job gewechselt und bin jetzt in einem richtig coolen Unternehmen. Immer noch MTA für Radiologie nur in einer,  ich würde sagen,  anderen Dimension.

Da mein Arbeitgeber Deutschland weit vertreten ist und wir ja so gesehen alle ein Team sind, helfen wir auch an den anderen Standorten mal aus. Somit habe ich mich bereit erklärt nach Berlin zu fahren, für 2 Tage um dort die Kollegen zu unterstützen. So eine Reise bringt ja auch echt viele Dinge mit sich. Man kommt mal raus, man lernt neue Menschen kennen und kann sich fachlich einfach austauschen. MTA netzwerken…

Ich habe also alles für diese Reise organisiert. Kind und Hund bei Oma abgegeben. Koffer gepackt und 5000 mal kontrolliert, ob ich auch ja nichts vergessen habe. Sonntag Abend sollte es los gehen. Je dichter die Abfahrt rückte desto unmotivierter wurde ich. Berlin bringe ich leider nur mit negativen Erinnerungen/Erfahrungen in Verbindung und ist einfach nicht meine Stadt…

Dan brachte mich zum Bahnhof nach Buxtehude. Wir verabschiedet uns und ich fuhr mit der S-Bahn Richtung Hamburg. Am Hauptbahnhof holte ich mir noch schnell etwas zu Essen und ging zum Gleis. In meinem Kopf herrschten Engelchen und Teuflchen. Eine Stimme lauter als die andere. Mein Unheil fing an und nahm seinen Lauf. Der Zug kam an einem anderen Gleis an. Alle stürmten die Treppen hoch und was passierte mir? Ich fliege im wahrsten Sinne die Treppe hoch, schlug mir mein Knie auf und dachte nur „na toll!“. Mir standen die Tränen so nah und mein bisschen Motivation war wie weggeblasen.

Die Zugfahrt war an der ganzen Reise das unspektakulärsten. So kam ich abends gegen 21.30h in Berlin an. Ich suchte mir ein Taxi, was mich zum Hotel bringen sollte. Jeder der mich kennt, weiß, dass Taxi fahren für mich eine mit der schlimmsten Dinge ist. Ich fahre mehr als ungerne mit anderen, fremden Menschen mit. Das Gefühl ausgeliefert zu sein ist absolut schrecklich. Im Hotel angekommen, checkte ich ein und ging direkt aufs Zimmer.

Am nächsten Morgen ging ich voller Vorfreude und doch mit Spannung ,was der Tag bringen würde, zur Klinik in der ich aushelfen sollte. Ab da ging alles schief was nur schief gehen konnte. Ihr versteht hoffentlich, dass ich dazu nicht mehr sagen kann. Ich war abends auf jeden Fall so fertig, dass ich am liebsten wieder Heim gefahren wäre.

Ich kann wirklich viel ab und kann auch einiges einstecken, aber das war wirklich zu viel. Die ganze Zeit hörte ich die Stimme des Teufelchens was mir immer wieder zu rief „siehste, hab ich doch gesagt das es schei**** wird“. Ich war wirklich verzweifelt und wusste nicht wie ich den nächsten Tag überstehen würde.

Ich telefonierte mit einer Freundin und erzählte ihr was passiert war und durch das Gespräch mit ihr fasste ich wieder neuen Mut. Einer meiner neuen Kollegen war in der Nähe und holte mich ab für einen Feierabend Drink. Was ein Glück, dass fast neben dem Hotel eine echt nette Bar war. Es tat wirklich gut nicht alleine zu sein. WIr haben bei zwei Bier gequatscht und gelacht, genau das was ich an dem Abend, in einer fremden Stadt brauchte. Gegen Mitternacht war ich zurück auf dem Zimmer und so langsam bekam ich eine Schei***egal-Einstellung, denn ich wusste das ich mittags wieder im Zug Richtung Hamburg sitze. Ich brachte den Vormittag rum, stieg in ein weiteres Taxi und saß anschließend im ICE nach Hause. Als ich den Hamburger Hauptbahnhof sah und ausstieg war meine Welt wieder in Ordnung.

Es ist doch wirklich interessant wie uns unsere Einstellung,  unser Denken und unser Urteilen uns prägen und uns auf unserem Weg begleiten. Je dichter ich ans Ziel kam, desto weniger Lust hatte ich. Ich wollte nicht nach Berlin. Ich hatte von Anfang an ein schlechtes und ungutes Gefühl. Wie das Teufelchen schon sagte, es hatte Recht. Ich weiß nicht, ob es anders gelaufen wäre, wenn ich positiv an die ganze Sache rangegangen wäre.

Wenn ich mir jeden Morgen sagen würde, dass es ein ganz schlimmer Tag wird, dann denke ich wird es auch ein schlechter Tag. Ich würde nichts positives sehen und das negative würde überwiegen. Probleme würden auf einen einprasseln, wie ein Regenschauer an die Fensterscheibe. Doch schafft man es, aus einem Sumpf aus negativen Gedanken rauszukommen und diesen Sumpf in einen positiven See zu verwandeln? Ich hab es nicht geschafft. Zumindest diese zwei Tage nicht. Oft sagt man ja auch, dass wenn man keine Lust hat, es richtig gut wird. Auch das konnte ich diesmal nicht behaupten.

Ich weiß nicht, ob es an der Stadt liegt oder an meiner Norddeutschen Art, dass ich mich in Berlin nicht wohlfühle. Es gibt ja auch Berliner, die echt toll sind. Doch bis lang waren diese tollen Menschen eher eine Seltenheit, leider. Manchmal ist es einfach so, dass bestimmte Lebenseinstellungen, Mentalitäten oder Lebensarten nicht zusammen passen.

Im Dezember muss ich wieder von der Arbeit nach Berlin. Mal sehen wie es dann wird. Immerhin wird da das Taxi fahren weg fallen. =) Ich sollte dann vermutlich meinen negativen Gedanken keinen Raum geben. Das einzige was ich wirklich in den zwei Tagen gelernt habe, war das ich noch mehr zu schätzen gelernt habe, dass ich ich einfach in dem schönsten Teil Deutschland lebe, mit wundervollen und liebenswerten Menschen UND das es immer Menschen gibt die einen aufbauen und für einen da sind, auch wenn sie mehrere Kilometer entfernt sind. Ich weiß, dass Berlin niemals MEINE Stadt werden wird, was aber auch völlig in Ordnung ist – für mich.

So jetzt wird es aber auch Zeit das erlebte abzuschließen. Ich habe eine Woche Urlaub, denn das Kind hat Ferien. Wir reisen am Montag nach Köln und soll ich Euch was sagen? Darauf freue ich mich – natürlich! =)

Bis bald

Eure Tanja

 

Der Sprung meines Lebens

Moin Ihr Lieben,

wahnsinn jetzt ist es schon fast ein Jahr her, als ich aus einem Flugzeug gesprungen bin. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Ich bin aus einem Flugzeug gesprungen. Aber ich will von vorne erzählen.

Als ich damals im Alter von Leon war und die ersten Staffeln von Germanys Next Top Model geschaut habe, war ich faszinierd von dem Shooting an der Hauswand. It’s called HOUSE RUNNING, sagte Heidi damals zu den Mädels. Ich schaute meine Mama an und sagte: Mama, das will ich auch! Ich erntete ein leichtes schmunzeln von meiner Mom. Als ich älter wurde, habe ich mir immer wieder gesagt ich, dass ich mir zum 25. Geburtstag das House Running wünsche. Das war mein Ziel. Ich wurde 25 und habe von meinen Eltern tatsächlich ein House Running in Hamburg geschenkt bekommen. 50m an der Außenwand vom Holiday Inn runter laufen. Was für ein tolles Gefühl.

Doch was hat das jetzt mit meinem Sprung aus dem Flugzeug zu tun?

Als ich unten wieder angekommen bin und das Adrenalin durch meinen Körper floß, wusste ich das ich mehr wollte. Ich sah meine Eltern, meinen Bruder und meine Freunde die mit dabei waren an und sagte: So zum 30. Geburtstag dann bitte einen Fallschirmsprung. Auch hier erntete ich eher nur ein Lächeln.

Vor einem Jahr ging es in die alte Heimat Richtung Oldenburg, zum Geburtstag meiner Tante. Wir waren alle zum Frühstück auf einem Sportflugplatz eingeladen. Es gab leckeres Essen und nette Gespräche. Als die Sonne rauskam, waren die ersten Springer in der Luft. Sie segelten wie mit Federn auf den Boden zu. Ich schaute meine Eltern an und sagte: Das wärs jetzt! Mein Stiefdad meinte: Alles klar, wenn Du springen willst, dann machen wir das heute.

Äh, wie jetzt? HEUTE? HEUTE! Nach dem Frühstück sind meine Eltern, mein Bruder und ich mit Leon zu der Fallschirmsprungschule gegangen und haben nachgefragt. Tatsächlich war es möglich, nur musste der Springer der Tandems springt noch gefragt werde. Dieser war zu dem Zeitpunkt noch in der Luft, somit hieß es warten. Dan war nicht dabei. Ich rief ihn an und meinte: Babe, ich mache jetzt gleich einen Fallschirmsprung! Er so: Äh gehts noch? Tja na dann viel Spaß. Der Springer namens Alex kam auf mich zu, er wurde gefragt, stimmte zu und somit kam ich nicht mehr aus der Nummer raus. Mein Bruder schüttelte nur mit dem Kopf und fragte die ganze Zeit wie man so bekloppt sein kann. =) Meine Mom hatte wahnsinnige Angst und fragte ob ich es wirklich machen will.

Ich bekam einen Sprunganzug, eine kurze Einweisung und dann gehörte der nächste Flug schon uns und es ging los.

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Ich war so unfassbar aufgeregt. Ich saß in einem Flugzeug, von dem ich nicht überzeugt war das es fliegt, mit wildfremden Menschen. Hinter mir ein Mann mit einem Fallschirm der mich wieder sicher auf die Erde bringen sollte. Ob ich mir das wirklich gut überlegt habe? Hmm, ich weiß ja nicht! Aber gut, ich hatte keine andere Wahl. Wir flogen durch die Wolkendecke und die Sonne strahlte mit voller Energie. Es war tierisch kalt immerhin hatten wir den 4. März. Doch durch die Aufregung merkte ich es kaum. Nach ca. 15min Flugzeit und 4500m Höhe ging die Tür des Flugzeuges auf. Die ersten Springer positionierten sich und zack waren sie weg.

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Und da hatte ich einen kurzen Augenblick wo ich dachte; F***K was tust du hier eigentlich? Der Gedanke war noch gar nicht zu Ende gedacht und schon saßen Alex und ich an der Tür. Kopf in den Nacken und schwupps waren wir raus. Es war unglaublich. Ich löste auf auf Kommando meine Hände vom Gurt, winkelte die Beine an und genoß den freien Fall. Der freie Fall war nicht einmal 1min lang, aber es war unglaublich! Atemberaubend, phänomenal und einzigartig. Es war kalt, meine Augen tränten und ich habe einen ziemlichen Druck in den Ohren gehabt. Doch das war mir egal.

Wir hingen zusammen an diesem Fallschirm und ich durfte ihn steuern. Ich flog in so großer Höhe über meine alte Heimat. Ich war stolz, aufgeregt und einfach nur sprachlos. Wir segelten langsam Richtung Boden. Die Landung war ein wenig hart und nass, aber das war auf alle Fälle der Sprung wert.

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Unten wieder angekommen, sah ich die Erleichterung bei meiner Familie. Ich war unheimlich glücklich. Meine Knie zitterten ein wenig und das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Ich meldete mich bei Dan und konnte es noch gar nicht richtig fassen, dass ich es wirklich getan habe.

Wir schauten uns alle zusammen das Video an, welches Alex mit der Hand-Cam gemacht hat. Selbst als ich das Video sah, konnte ich es immer noch nicht ganz glauben. Ich bedankte mich bei meinen Eltern, dass sie mir diesen Traum erfüllt haben. Einen Traum den ich lange hatte und endlich wahr wurde. Wer denkt schon daran, nach einem Familiengeburtstagsfrühstück einfach mal so, ganz spontan aus einem Flugzeug zu springen. Ich nicht!

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Ich kann es jedem nur empfehlen, einmal so einen Sprung zu machen. Die Welt aus einer ganz anderen Perspektiven zu sehen. Etwas verrücktes zu machen, über sich hinaus zu wachsen.

If you can dream it, you can do it! – Walt Disney

 

In diesem Sinne,

Eure Tanja

Hier geht es zur Fallschirmspringschule YourSky

Next Station Köln

Moin!

Lange wussten wir nicht, was auf uns zu kommen wird dieses Jahr. Doch seit geraumer Zeit ist es raus und das möchte ich mit Euch teilen.

Dan ist, wie viele von Euch ja wissen, Soldat und somit sind auch öfter mal Verstezungen angesagt. So wie in diesem Jahr.

Damals als wir gerade frisch zusammen kamen, sagte er nach dem zweiten Date, wo wir eigentlich schon wussten, dass wir zusammen sein wollten, er müsse im August für 1 Jahr nach Rostock. Ein Jahr Rostock hieß 230km Entfernung, Wochenend-Beziehung und das gemeinsame Leben wird nur am Wochenende und im Urlaub statt finden. Und das wo ich grade jemanden gefunden habe, mit dem ich einen normalen Alltag gestalten wollte. Wenn ich mit Dan weiterhin zusammen sein wollte, hatte ich also keine andere Wahl und musste es in Kauf nehmen. Immerhin wusste ich von Anfang an, was es heißt einen Soldaten als Mann zu haben. Das Jahr haben wir überstanden und ich wusste es wird nicht das einzige Jahr gewesen sein. Leider!

Jetzt zwei Jahre später steht die nächste Versetzung an. Dieses Mal allerdings für 5 Jahre! Ja richtig gelesen – 5 JAHRE! Erst sollte es ab 01.10.2018 nach Koblenz gehen, doch nach kurzer Recherche und ein paar Gesprächen mit Kollegen wurde aus Koblenz, Köln und dann auch noch ein halbes Jahr eher. Somit heißt es ab 01.04.2018 Köln- Buxtehude Buxtehude-Köln.

Aber was macht man als Familie in so einer Situation? Alles aufgeben und abbrechen? Es als neue Chance sehen und neu anfangen? Das Kind überall rausreißen und das gut funktionierende soziale Netzwerk hinter einem lassen?

Fragen über Fragen.. Wir haben viel, oft und lange geredet. Ich habe mich mit Freunden getroffen um mir Ratschläge zu holen. Ich hatte meine Prioritäten, die konnte ich nicht einfach so vergessen oder ignorieren. Es gab Feste die noch gefeiert werden sollten und zwar hier, im Norden. Ich bin eine Mensch der Sicherheiten brauchte. Hätte ich diese noch?

Den Norden zu verlassen und die Elbe gegen den Rhein zu tauschen, machte mir Angst und es ging mir auch bei dem Gedanken überhaupt nicht gut. Natürlich hätte ich es als neue Chance sehen können, als berufliche Neuerung und als aufregende Herausforderung. Doch das hätte auch einfach sehr viel mit sich gebracht. Mitten im Schuljahr die Schule wechseln. Bewerbungen schreiben und nicht wissen, ob ich gleich einen Job finde. Das einzige was mich nicht davon abgeschreckt hatte, war neue tolle Menschen kennen zu lernen.

Es war zeitlich alles sehr ungünstig. Ein halbes Jahr eher als gedacht, 6 Monate weniger Zeit zum Planen. Und da die Bundeswehr auch eher viel Zeit in Anspruch nimmt Dinge zu bearbeiten, wussten wir auch nicht wie es finanziell aussehen wird.

Ich durchstöberte vorsichtshalber mal die Immobilienseiten und bin fast vom Stuhl gefallen, als ich die imens hohen Mieten sah. Da will noch einer mal sagen das Hamburg teuer ist… tz…

Ich bin in letzter Zeit oft in Hamburg gewesen und was soll ich sagen? Ich lief durch die Mö-Straße, sah den Hafen von der Autobahn oder der S-Bahn und bin die Alster entlang geschlendert. Ich war noch nicht bereit diese wundervolle Stadt, meine Heimat, mein Zuhause zu verlassen. Elbe – Rhein, Rhein – Elbe… nein das ging nicht. Mir kamen die Tränen als ich durch mein geliebtes Hamburg lief, zu wissen dieses eventuell zu verlassen. Auch wenn es nach 5 Jahren zurück gehen würde. Ich würde so starkes Heimweh in den Norden bekommen, dass ich einfach nicht glücklich wäre.

Nicht nur mir gefiel der Gedanke nicht umzuziehen, sondern auch Leon hatte seine Bedenken. Er fand es zwar auch aufregend, aber der Gedanke seine Freunde nicht mehr zu sehen zu können, machte auch ihn traurig. Uns zur Liebe hätte er es aber mitgemacht, er hatte ja auch keine andere Möglichkeit. So saßen wir also da, mit lauter Fragezeichen im Gesicht, voller Unwissen und voller Pro- und Kontralisten.

Dan kennt diese Situation und für ihn ist es Alltag. Er hat sich vor Jahren dazu entschieden der Bundeswehr da zu dienen, wo man ihn braucht. Er hat damals allerdings keine Familie gehabt und mit Familie sieht das Ganze dann doch etwas anders aus. Damals ist er von der Kaserne bis Dresden jedes Wochenende gependelt. Köln – Buxtehude bedeutet 389km, knapp 4 Autostunden auseinander und das ganze 1827 Tage. Wollten wir das wirklich auf uns nehmen und so weit von einander getrennt sein?

Als Dan mit einigen Neuigkeiten von der Arbeit Heim kam, wurde uns die Entscheidung mehr oder weniger abgenommen. Der Antrag auf Trennungsgeld wurde genehmigt. Die Miete würde finanziert werden und er könne eventuell einen Teil der Arbeit als Homeoffice erledigen. Und nicht nur das, wenn es jemanden geben würde, der unbedingt nach Köln möchte, kann er eventuell seinen Posten tauschen.

Somit haben wir entschieden, dass wir (bis jetzt) 5 Jahre lang, ab dem 01.04.2018 eine Fernbeziehung führen werden. Leon und ich werden weiterhin hier im Norden bleiben und mein geliebter Mann wird es auf sich nehmen und jedes Wochenende pendeln. Ich weiß, dass wir nicht die einzige Familie sind, die so eine Last auf sich nehmen muss. Es gibt viele Familienväter und Mütter die beruflichbedingt pendeln. Dan hat aus Rücksicht zu mir und meiner Verbundheiten zum Norden, darauf verzichtet mich zu überreden doch mitzukommen. Ich muss Euch, denke ich nicht wirklich sagen, wie sehr ich ihn dafür liebe, oder?

Eine Wochenend-Fernbeziehung auf so lange Zeit gesehen, ist und wird alles andere als einfach. Sich nicht auseinander zu Leben und weiterhin für einander da zu sein ist wirklich schwer aber nicht unmöglich.

Damals als ich die Diagnose der Fehlgeburt bekommen habe, war Dan in Rostock. Weit weg von mir und konnte mich in dem Moment nicht in den Arm nehmen. Doch ich wusste, dass er nicht weg konnte und er in dem Moment ganz alleine war. Ich hatte Leon, meine Familie und meine Freunde hier vor Ort, die alle für mich da waren. Doch wen hatte er? Niemanden!

Ich schmeiße den Laden hier, wasche im Akkord am Wochenende die Klamotten und packe alles wieder für die nächste Woche zusammen. Ich verabschiede ihn mit einem Kuss und einem „Ich liebe dich“ an der Tür und hoffe, dass jede Woche einfach schnell rumgeht. Er hingegen ist der, der sich das zwar ausgesucht hat, aber dennoch alleine ist. Alleine in einer fremden Stadt, weit weg von Zuhause. Weit weg von seiner Familie. Er muss sich an ein fremdes Team gewöhnen, sich neu orientieren und eine Strecke, die kein Katzensprung ist, fahren. Natürlich werde auch ich möglichst oft runter fahren um bei ihm zu sein.

Zusammen halten, die Bindung nicht verlieren und trotz Entfernung für einander da sein, dass und nur das steht bei uns an erster Stelle. Es wird nicht einfach aber machbar sein!

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Wem von Euch geht es genauso? Wer führt von Euch eine Fern- oder Wochenendbeziehung? Habt Ihr Tipps wie man am Besten damit umgehen kann? Ich freue mich von Euch zu lesen.

Eure Tanja