Schulzeit mit Corona und Risikokind

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Moin Ihr Lieben,

nun sind wir seit mehr als 6 Wochen in der Coronablase gefangen. Seit Montag gibt es minimale Lockerungen für die Gesellschaft, dennoch bleiben Kitas geschlossen und Schulen öffnen die Türen für Abschlussjahrgänge.

Keine Schule, kein Lernen, keinen neuen Input und auch keine Freunde treffen. Schule ist eben doch viel mehr, als nur ein Platz zum Lernen. Der Austausch für die Jugendlichen, das Motzen über die Eltern in einem „geschützten“ Raum, das Buhlen um die Coolness, all das fehlt gerade.

Den Schulstoff nachholen ist möglich. Lehrpläne anpassen auch kein Problem. Online Lernen ist jetzt aktuell. Unsere Schule hat das große Glück digitalisiert zu sein. Jeder Schüler hat seinen eigenen Account auf einem Schulserver und ist somit komplett mit der Lehrerschaft und der eigenen Klasse vernetzt. Ab heute gibt es über das Programm Aufgaben von den Klassenlehrern.

Aufgaben, die Zuhause gelöst werden sollen und dann zur Korrektur zurück geschickt werden. Doch was machen die Kinder, die Zuhause sind mit ihren kleinen Geschwistern, auf die sie eventuell noch aufpassen müssen? Was machen die Kleinen, die so viel Ablenkung um sich herum haben und das Lernen sehr viel schwerer fällt? Was ist mit den Kind, wo es finanziell gar nicht möglich ist einen Computer zur Verfügung zu haben?

Sobald die Schule wieder geöffnet wird, was ja schrittweise geplant ist, werden die Klassen gestaffelt zum Präsenzunterricht in der Schule sein. Die Klassen werden geteilt und ein Teil kommt in die Schule und der andere Teil ist Zuhause. Ein guter Kompromiss? Ich weiß ja nicht so recht.

Laut dem Erlass des Kultusministerium Niedersachsen, können die Kinder die zur Risikogruppe gehören, oder eine Person im Haushalt haben, die zur Risikogruppe gehört in die Schule kommen oder mit einem Attest vom Arzt freigestellt werden. Doch wie lange? Bis auf unbestimmte Zeit? Viele Kinder freuen sich im ersten Augenblick darüber nicht in die Schule zu müssen, aber letzten Endes werden sie als Außenseiter behandelt. Die Krankheit von ihnen, die sonst vielleicht nicht im Vordergrund steht, rückt in den Vordergrund – zwangsweise. Die Kinder sind weiter in Isolation. Weiterhin nicht bei ihren Freunden, weiterhin ohne Austausch.

Für kein Kind ist es toll, zuhause zu sein. 24/7 mit den Eltern und Geschwistern, wenn alle anderen doch raus dürfen und sich treffen dürfen und sei es eben nur im Schulgebäude. In dieser Situation kann man nur inständig hoffen, dass die Kinder verstehen um was es geht und das es ihr eigener Schutz ist. Der besprochene Schulstoff, die Fragen die während des Unterrichtes gestellt und beantwortet werden, auch dass wird den Kindern die Zuhause bleiben fehlen. Und alles nur weil sie krank sind und auf sich aufpassen müssen.

Auch bei uns wurde eine Freistellung vom Präsenzunterricht ärztlich angeordnet. Diabetes gehört nun einmal mit zur Risikogruppe und natürlich wollen wir da kein Risiko eingehen. Ich habe das Glück momentan nicht Arbeiten zu müssen und mein Kind in dieser Zeit zu unterstützen. Viele andere haben dieses Glück nicht.

Mir stellt sich die Frage, ob es nicht tatsächlich wichtigeres gibt, als Schule? Ist es so wichtig JETZT den Kindern neuen Stoff beizubringen? Ich denke, dass die Kinder auch Zuhause viele Möglichkeiten haben Dinge zu lernen. Bücher lesen können (fast) alle. Vokabeln lernen ist auch möglich und abgesehen von den ganzen Lernplattformen gibt es zig Möglichkeiten den bislang gelernten Stoff zu verinnerlichen.

Wir sind gespannt wie die Schulsituation weitergeht. Ich bin an der Schule vom großen Elternvertreterin und 1. Vorsitzende vom Schulelternrat und ich sehe wie bemüht die Schule ist und wie sehr sich die Lehrer engagieren. Es ist eine Mammutaufgabe, für Lehrer, für Kinder und für die Eltern. Vielleicht sollte die Regierung etwas von den Richtlinien und überhaupt vom System abweichen?! Vielleicht wird es dann für alle betroffene etwas leichter?!

Zu diesem Thema könnt Ihr bei der lieben Saskia von liniert-kariert.de einiges Lesen. Sie ist Grundschullehrerin in Hannover und ich wünschte mir, dass  jede Lehrkraft auch nur ansatzweise die Schulwelt mit den Augen sieht wie Saskia. In ihren Stories auf Instagram erzählt sie viel darüber wie Schule auf Augenhöhe funktionieren kann und wie Lehrersein heute eine Berufung werden kann, statt ein einfacher Job.

Mit dieser Herzensempfehlung verabschiede ich mich und wünsche Euch alles Liebe.

Eure Tanja

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