Unser Leben mit Diabetes

Moin Ihr Lieben,

für diesen Beitrag brauchte ich eine Menge Zeit. Zeit um das vorher gegangene zu verstehen und zu verarbeiten. Von einem auf dem anderen Tag hat sich unser Familienleben verändert und ganz besonders das Leben meines Sohnes.

Ende 2019 bin ich mit meinem Sohn zum Kinderarzt gegangen um ihn einfach mal durch checken zu lassen. Gerade die Schilddrüse spielt ja gerne mal in der Pubertät verrückt. Mir gefiel einfach nicht, dass er so müde und erschöpft war. Sein Gewicht war unterirdisch bei seiner Körpergröße und irgendwie gefiel er mir einfach nicht.

Es wurde ein Blutbild gemacht um die Schilddrüsenwerte zu kontrollieren und um eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) auszuschließen. Parallel hatten wir eine Verordnung zur Ernährungsberatung bekommen. 14 Tage später hatten wir einen Kontrolltermin. Und ich sag Euch die 14 Tage waren schwer. Unfassbar schwer.

Die erste Woche war noch total unauffällig. In der zweiten Woche der 14 Tage hatte ich noch Geburtstag und merkte von Tag zu Tag mehr wie mein Kind abbaute. Treppen laufen ging nur noch mit Pause. Innerhalb kurzer Zeit und ich meine damit 5 Tagen, hat er über 5kg abgenommen. Blass, tiefe dunkle Augenringe und ein ständiges Durstgefühl waren seine Begleiter. Am Kontrolltermin habe ich direkt auf einen Diabetes Ausschluss gedrängt. Statt eines Ausschlusses wurde es eine Bestätigung.

Blutzuckerwert von 494

Ein normaler Blutzuckerwert liegt zwischen 100 und 140. Ab 250 fängt eine Ketoazidose an – ein akuter Insulinmangel im Körper. Dazu gibt es aber noch einmal extra ein paar Infos.

Mir war klar was das bedeutete und dennoch rauschte alles an mir vorbei. Schnell nach Hause, Sachen gepackt und los ging es mit wehenden Fahnen in die Kinderklinik. Zuhause bin ich Dan, der gerade Elternzeit hatte, in die Arme gefallen und habe einfach nur geweint. Ich wollte es meinem Kind ersparen. Ich hätte es ihm so gern abgenommen.

In der Klinik angekommen, wurden noch einige Tests gemacht und zwei Zugänge gelegt. Auf Station gab es dann endlich was zu Essen und zu Trinken für den Großen und er wurde an einen Insulintropf angehängt.

Er war und ist die ganze Zeit mega tapfer gewesen. Es war für ihn auch überhaupt kein Problem den Diabetes anzunehmen. Dank der besten Kinderdiabetologin, die dieses Krankenhaus zu bieten hat und dem tollsten Krankenschwestern, war auch die Zeit im Krankenhaus eine angenehme Zeit.

14 Tage sollte also der Aufenthalt dauern. Es folgten Schulungen, Gespräche, Übungen um alles in den Alltag zu integrieren. Messen, wiegen, umrechnen und Insulin spritzen stand ab sofort auf der Tagesordnung.

Mich quälten die Vorwürfe. Vorwürfe, es nicht eher gesehen zu haben. Vorwürfe auf den Kontrolltermin gewartet zu haben. Vorwürfe mein Kind nicht davor zu bewahren. Die Oberärztin sagte mir eindringlich, dass keiner Schuld daran hat. Es hätte auch keine Konsequenzen gehabt, wenn wir 2 oder 3 Tage eher zum Arzt gegangen wären. Es beruhigte mich temporär, aber um ehrlich zu sein quält es mich bis heute.

Zeitgleich bin ich einfach nur dankbar, dass dem Großen nichts passiert ist, da er zwei Monate vorher in Frankreich zum Schüleraustausch war. Nicht auszudenken was alles hätte passieren könne.

Wie sich unser Klinikalltag gestaltete und was das mit uns als Familie gemacht hat, schreibe ich Euch die nächsten Tage.

Bis bald

Eure Tanja

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